Meine Bewerbung als Bundeskanzler
Verschiedene Ereignisse, Beobachtungen und Erkenntnisse bewegen mich dazu, meine unterbrochene Politikerkarriere wieder aufzunehmen und meine Fähigkeiten erneut in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.
Der geneigte Leser wartet nun natürlich auf eine Erklärung, was es mit der Unterbrechung der Karriere auf sich hat. Soll er haben! Also, es liegt nur fast genau ein halbes Jahrhundert zurück, dass ich meine noch älteren politischen Ambitionen durch den Beitritt zu einer Partei umsetzte. Das fing natürlich ganz unten an. Im Ortsverband Fürstenfeldbruck der FDP. Nicht nur wegen meiner liberalen Überzeugung, sondern aus klarem Kalkül: In einem kleinen Verein ist der Weg nach oben nicht so weit. Immerhin hat dieser kleine Schwanz in der Folgezeit trotzdem mit durchaus beachtlichen Hunden gewedelt und etliche Minister hervorgebracht.
Nun war ich also Parteimitglied und traf mich regelmäßig mit Parteifreunden. Geleitet wurden diese Treffen von einem Herrn, dessen Namen ich vergessen habe. Er trat aber durchaus bedeutend auf. Wir sprachen über Themen, an die ich mich heute nicht mehr im Detail erinnere. Nur ein Begriff ist mir in Erinnerung geblieben: „Eschenrieder Spange“. Diese sollte Abschnitt der nördlichen Autobahnumgehung von München werden und dafür schützenswerte Natur durchqueren. Das Gebiet gehörte zum Landkreis Fürstenfeldbruck und damit in unseren Verantwortungsbereich. Zugegeben, ich hatte damals keine Ahnung, wo das genau war oder, wie es dort aussah. Aber darauf kommt es in der Politik ja wohl auch nicht an, oder? Ich weiß heute auch nicht mehr, ob wir dafür oder dagegen waren. Jedenfalls wurde viel darüber diskutiert. So oder so, rund 20 Jahre später wurde sie gebaut. So schnell geht das! Vor wenigen Wochen habe ich den Autobahnabschnitt der A99 sogar benutzt. Waren diese Infos wichtig? Aber hallo! Politik, Umwelt, langjährige Erfahrung … Das alles in nichtssagende Zusammenhänge gebracht. Was braucht ein Bundeskanzler mehr? Damals hatte ich meine glänzenden Zukunftsaussichten in der Politik noch nicht ahnen können und nahm mir nach einigen Jahren Belanglosigkeit die Freiheit, wieder aus der Partei auszutreten. Schließlich war ich ja nach meiner Beamtenzeit berufstätig.
Anfangs hatte ich „meine noch älteren politischen Ambitionen“ erwähnt. Diese waren schon immer vorhanden, aber nie so recht ausformuliert gewesen. Meine liberalen Ansichten waren schon von meinen Eltern als Aufsässigkeit missverstanden worden. Ein Minderjähriger (damals bis 21!), der machte, was er wollte, konnte durchaus mal mehr oder weniger subtile Unterdrückungsmaßnahmen erfahren. Auch meine Tätigkeit als demokratisch gewählter Lehrlingssprecher brachte mich, wie anderswo erwähnt, näher daran, gefeuert, statt gefeiert zu werden. Dabei wollte ich zu keiner Zeit, bis heute, nichts anderes als die Freiheit, zu tun, was ich für richtig halte. Solange man dabei nicht die Rechte anderer Leute verletzt, ist das doch wohl in Ordnung, oder?
Ich unterstelle der Mehrheit der heute agierenden Politiker, dass sie im Grunde nichts anderes wollen. Insofern ist Freiheit „Libertas“ ein Wert, der eigentlich nicht umstritten sein sollte. Die Entscheidung, sich einem Diktator zu unterwerfen, ist, sofern sie aus freien Stücken erfolgt, vielleicht blöd, aber eben frei und damit zulässig. So richtig saublöd allerdings finde ich das Bestreben, sich mit Diktatoren respektive Diktatur freiwillig anfreunden zu wollen, wenn man sich gerade erst von einer aufgezwungenen Diktatur befreit hat. Damals hörte ich von hinzugewonnenen Bundesbürgern mehrfach die lateinische Weisheit „ex oriente lux - aus dem Osten (kommt) das Licht“. Lange Zeit wurde dieser Spruch für die Ursprünge des Christentums, das ja im nahen Osten entstanden war, angewandt. Erleuchtung! Wer, gerade im Winter, morgens Richtung Osten unterwegs ist, weiß, dass dieses Licht teuflisch blenden kann.
Inzwischen ist die Erleuchtung aus dem Morgenland im „christlichen“ Abendland angekommen. Interessanterweise scheint sich das Attribut „christlich“ immer weiter Richtung Westen zu verschieben. Im Morgenland haben Christen heute einen eher schweren Stand und auch im Abendland befindet sich das Christentum auf dem Rückzug. Wohin? Erstmal gibt es noch Bollwerke in der „neuen“ Welt. Christliche Fundamentalisten, die sogar erhebliche Anstrengungen unternehmen, dort eine neue Diktatur zu etablieren. Und wenn man weiter nach Westen geht? Unterstellt man, dass die Erde tatsächlich rund ist, dann gelangt man, von uns aus gesehen, wieder nach Osten, wo sich ebenfalls eine stabil erscheinende Diktatur um Ausbreitung bemüht. Wieder Richtung Westen. Dazu passt die Bemerkung von Dr. Rosenheim, Loriots Bunkerhersteller „Es zirkuliert!“ Eine Entwicklung, die gerade von Bunkerherstellern durchaus aufmerksam beobachtet wird.
Wer sich mit dem historischen Ursprung der Diktatur beschäftigen will, beginnt, der Einfachheit halber, mit Wikipedia. Dort ist recht übersichtlich zusammengefasst und erläutert, wann, wie und warum im alten Rom vor rund zweieinhalbtausend Jahren die Macht auf einen einzelnen Dictator konzentriert wurde, um konkrete Aufgaben oder Krisen zu bewältigen, ohne lange diskutieren zu müssen. Man wusste aber auch um die Gefahren solcher Machtkonzentration. Deshalb gab es strenge Regeln und eine zeitliche Befristung für diese Vollmacht. Der letzte Dictator, der solchen Einschränkungen unterlag, war Julius Cäsar. Der schaffte es dann doch recht trickreich, die Einschränkungen zu umgehen, wurde mehrfach hintereinander Dictator, schließlich auf Lebenszeit. Diese endete abrupt „in den Iden des März“, am 15. März –0044, an den Folgen körperlich geäußerter Kritik, unter anderem durch einen gewissen Brutus. Man kann übrigens mit einigem Recht sagen, dass diese „robuste“ Entfernung aus dem Amt durchaus demokratisch legitimiert war. Immerhin waren ca. 80 Senatoren am Komplott beteiligt und etwa 60 derer sollen sogar persönlich zugestochen haben. Verglichen mit der Anzahl der regelmäßig im Bundestag anwesenden Abgeordneten, wäre damit das Quorum erreicht gewesen, um rechtskräftige Abstimmungen durchzuführen. Cäsar wurde übrigens nachgesagt, dass er durch die Verlängerung seiner Amtszeiten in verschiedenen Positionen, in denen er Immunität besaß, mehrfach der Strafverfolgung entgangen sei. Sic!
Aber zurück zu meiner Bewerbung! Meine Qualifikation drückt sich ja nicht nur durch unbestreitbare innere Werte aus, sondern auch durch offenkundige Parallelen zu großen Vorbildern. Und blaue Anzüge! Eine frühe Erfahrung dazu verdanke ich Herbert H.. Dieser war nicht nur Vater meines Klassenkameraden Jens Holger H., sondern auch Landtagsabgeordneter und sogar jahrelang Landesminister in Niedersachsen gewesen. Mir ist er einerseits dadurch in Erinnerung, dass er immer im blauen Anzug auftrat, obwohl er einer roten Partei angehörte, andererseits, dass sein Erscheinen stets Ehrfurcht auslöste. Nicht nur meine Lehrer, sondern alle sichtbaren Bürger und deren Meister erschauerten vor der Aura von Macht und Bedeutung, die er bei seinen häufigen Besuchen zu vielfältigsten Anlässen ausstrahlte. Das musste am Anzug gelegen haben, denn ansonsten wirkte er, von Beruf Verwaltungsangestellter, nicht übermäßig beeindruckend. Ein anderer SPD-Politiker beeindruckt ja heute auch weniger durch seine Statur als durch - äh - … weiß ich auch nicht. Trotz dessen erstaunlicher Ähnlichkeit mit dem durchaus prominenten, aber nicht sonderlich kuscheligen Mr. Magoo. Sogar der Charakter der Figur weist beunruhigende Parallelen auf. Da steckt in einem anderen blauen Anzug schon ein anderes Kaliber. Wobei Miss Piggy eher sympathisch rüberkommt, wenn wir schon beim Vergleich mit Comicfiguren sind. Dabei trägt sie nur gelegentlich ein blaues Kleid und wurde noch nicht mit überlanger, roter Krawatte gesichtet. Aber sonst … Ich hingegen habe schon als Luftwaffenoffizier bewiesen, dass ich einen blauen Anzug würdevoll ausfüllen kann. Meistens mit dezenter blauer Krawatte dazu. Das geht schon eher in Richtung zum Kanzlerkandidaten der CDU/CSU, der selten ohne blauen Anzug auftritt. Auch meine Frisur gleicht sich seiner langsam an. Sehen so Sieger aus? Sein bayerischer Chef gewandet sich bei öffentlichen Auftritten ebenfalls sehr häufig blau, weicht aber gern auch auf volkstümliche Verkleidungen aus. Die Idee mit dem Bart hat er aber wohl von mir, obwohl dieser mich angeblich jünger, ihn aber älter macht. Also dieser Aspekt der Qualifikation wäre hinreichend geklärt.
Was wäre ein Kanzlerkandidat ohne Partei? Das Kind muss nicht nur geboren werden, sondern auch einen Namen haben. Dieser soll natürlich schon einen Hinweis auf das Programm geben. Das wird nicht leicht. Früher war es einfach: „C“ für christlich, „S“ für sozial, „D“ für demokratisch, „P“ für Partei. Nochmal „D“, diesmal für Deutschland. „A“ für abartig, „B“ für bescheuert? Tschulljung, kleine Entgleisung im Eifer des Gefechts! Wahlkampf! Man könnte glauben, dass alle wünschenswerten Parteiziele schon vergeben sind. Sogar Doppelbelegungen kommen vor. Aber, Moment mal! Da fällt mir etwas ein: BHW - Bündnis Harald Wolff. Das sitzt! Das weiß man, was man hat. Besonders bei einer Vielzahl der Bundestagsabgeordneten. Mit knapp 30 Prozent sind nämlich Beamte und öffentlich Bedienstete die stärkste Gruppe. Etwa dreifach repräsentiert im Vergleich zum Anteil an der arbeitenden Bevölkerung von rund 10 Prozent. War doch das BHW- BeamtenHeimstättenWerk die Bausparkasse, lange Zeit exklusiv, für Angehörige des öffentlichen Dienstes zugänglich und konnte, auf Kosten des Steuerzahlers, handfeste Vorteile für diese privilegierte Schicht bieten. Seit Gründung im Jahr 1928. Dagegen klingt doch BSW, Beamten Selbsthilfewerk, erst 1960 gegründet, irgendwie ärmlich. Ja, BHW klingt gut! Hinzu kommt meine stattliche Erscheinung: ca. 7 cm größer als der deutsche Durchschnittsmann und dann im blauen Anzug. Zugegeben, etwas kleiner als die CDU- und CSU-Chefs, aber immerhin 3 cm größer als der noch amtierende US-Präsident. Gibt es bessere Voraussetzungen?
Fällt Ihnen auf, dass bisher noch wenig zu meinem Programm gesagt wurde? Das ist bereits Programm. Darf ein Liberaler kein Christ sein? Oder ein Christ kein Liberaler? Ist ein echter Christ nun demokratisch oder sozial? Geht etwa beides? Per Koalitionsvertrag? Achtung, jetzt wird es gefährlich! Serap Güler ist eine durchaus profilierte und prominente CDU-Bundestagsabgeordnete. Und Muslima. Und das ist gut so. In einer „C“-Partei! In einigen Kernländern des Islam wäre das ein todwürdiges Verbrechen. Am Ende findet noch ein Christlicher Liberaler Moslem (CLM?) eine alternative Lösung zu einem Problem gut, die nicht im eigenen Parteiprogramm steht. Vielleicht sogar noch sozial! Nicht auszudenken, wenn ein Unbefugter (siehe dort) eine gute Idee hat. Soll ein Programm schon vorab festlegen, wie man spätere Probleme lösen will, die heute noch unbekannt sind? Klar, die große Linie sollte schon zu erkennen sein. Aber ist eine gute Lösung nur deshalb schlecht, weil sie vom falschen Absender kommt? Opposition kann so einfach sein: „Einfach nur dagegen!“
Unterstellen wir mal, ich hätte eine Chance, zum Bundeskanzler gewählt zu werden. Halt! Wer würde mich denn wählen? Wer könnte das überhaupt? Nicht der Wähler selbst. Richtig - der Bundestag mit all seinen vom Wahlvolk gewählten Abgeordneten. Diese gehören verschiedenen Parteien an, die allesamt vorgeben, ein Programm zu haben. Klein-Wählerchen auf der Straße glaubt nun, dass die Partei mit dem besten Programm die Mehrheit im Bundestag hat. Aktuell aber nicht allein. Sie muss sich also mit mindestens einer anderen Partei zusammenschließen, um gemeinsam eine Mehrheit zu erreichen. Erst einmal nur, um mich zum Bundeskanzler zu wählen. Damit könnte ich eine Regierung bilden und regieren!? Schön wär´s! Gewiss, die Regierung hat gewisse Vollmachten, mit denen sie im Alltagsgeschäft still vor sich hin regieren kann. Wird es aber wichtig, z.B. bei neuen Gesetzen, braucht es eine Mehrheit im Bundestag. Eines derer hat es 1999 sogar zum längsten Wort der deutschen Sprache gebracht „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“. Das trägt doch die Mehrheit bereits in sich! Kein Wunder, dass über so etwas auch lange verhandelt werden muss. Es wurde übrigens 2013 wieder aufgehoben. Schade um die viele Mühe! Um nun nicht jedesmal neu von vorne verhandeln zu müssen, hat die Koalition, die den Kanzler gewählt hat, einen Koalitionsvertrag ausgehandelt. Darin werden die Gemeinsamkeiten der jeweiligen Programme aneinander angepasst und die Differenzen zumindest geregelt. Hofft man! In den vergangenen Monaten konnte man den Eindruck gewinnen, die einzige wirkliche Gemeinsamkeit der Parteiprogramme der so genannten „Altparteien“ sei die Ablehnung von Koalitionen oder sogar Kooperation mit bestimmten Schmuddelkindern. Inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass dem Wählervolk das als Programm nicht reicht und, oh Graus, die Bösen vermehrt Stimmen bekommen. Was nun?
Das ist mein Auftritt! Ich mag die neuen Rattenfänger auch nicht, aber ich weiß, warum!
BHW - Die Alternative zur Alternative!