Ein schweres Erbe

Grundgesetz Artikel 20a:

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

 

Na also, dann hat die mehr oder weniger organisierte Jugend wohl recht, wenn sie uns „Alten“ vorwirft, mit unserer exzessiven Ausbeutung und Verschmutzung des Planeten ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Schließlich waren es die bis heute handelnden Generationen, die ausufernden Energieverbrauch, Verkehr und Konsum verzapft haben. Damit haben die bösen Alten den Klimawandel herbeigeführt, das Artensterben ausgelöst und weltweites Elend verursacht. Oder?

Dieses und damit verbundene Themen sind weitaus zu komplex, um ihnen mit wenigen Worten auch nur annähernd gerecht zu werden. Ministerien, Institute, Vereine und unzählige Experten befassen sich damit, kennen sich aus und äußern sich. Was könnte ein einzelner Schwätzer dazu noch an epochalen Erkenntnissen beitragen? Werden wir sehen!

 

Gehen wir zurück in die „gute alte Zeit“. Die war ja so gut, dass die Vorgängergenerationen unermüdlich daran gearbeitet haben, sie zum heutigen Desaster zu verbessern. Wieso eigentlich? Begleiten wir also den kleinen Harald zurück in die Zeit, als er noch kein anerkannter Umweltschädling war. 

 

Ein Tag in den 1960ern

Für den kleinen Harald klingelt der Wecker um 6:30. Wenn er nicht vergessen hatte, ihn am Vortag aufzuziehen. Während die Mutter sein Frühstück, Cornflakes mit Zucker und Milch, zubereitet, wäscht sich das Knäblein mit kaltem Wasser, zieht sich an und rennt vom 3. Stock in den Keller, um Kohlen zu holen, damit der Ofen, in dem hoffentlich noch ein Rest Glut vom Vortag ist, das Wohnzimmer heizen kann. Gegen 7:30 trägt er sein Fahrrad über die Treppe aus dem Keller, um zur Schule zu fahren, die ca. 2,5 km entfernt ist. Dort muss er das Fahrrad im großen Fahrradstand abstellen und die letzten ca. 300 m zu Fuß gehen. In der Schultasche sind Hefte und Bücher für den Schultag. Selbst gekauft, aus Kostengründen auch gebraucht. Pünktlich um 8:00 Uhr beginnt der Unterricht. In der „großen Pause“ trinkt er brav seine Milch oder den Kakao, der in einer Glasflasche bereitsteht. Das „Milchgeld“ sammelt ein beauftragter Schüler jeden Monat im Auftrag des Hausmeisters ein, der die Logistik organisiert. Zur Milch isst er sein „Schulbrot“, eine oder zwei Stullen, die die Mutter vorbereitet und in Pergamentpapier eingewickelt hat. Lactose? Gluten? Nie gehört! Nach der Schule wieder per Fahrrad nach Hause. Weil die Eltern bei der Arbeit sind, wärmt er sich ein vorbereitetes Mittagessen auf. Dann hätte er seine Hausaufgaben machen sollen. Reden wir nicht darüber! Er geht raus, trifft sich mit seinen Freunden, klettert über Zäune, klaut Obst von Bäumen, Büschen und Beeten, erkundet Trümmergelände und tut Dinge, von denen die Eltern besser nichts wissen. „Wenn es dunkel wird“ muss er zuhause sein. Ist er auch, sonst wird es schmerzhaft. Zwischendurch reinigt er noch schnell den Ofen, bringt die Asche runter, holt vom Kiosk Bier und Zigaretten für den Vater, hilft im Haushalt. Nach dem Abendessen liest er gern, bis er ins Bett muss. Auch dann möglichst noch weiter, unter der Decke mit Taschenlampe. Die Familie hat keinen Fernseher, kein Auto, kein Telefon. 

 

Im Laufe der Jahre bemühte sich die Familie redlich um die Teilnahme an der Schädigung der Umwelt. Sie schaffte sich ein Telefon an. Einen Fernseher. Als der Kleine zarte 17 war, schaffte sich der Vater ein Auto an. So schnell geht das! Die erste Urlaubsreise gönnten sich die Eltern, als der Junge bereits verheiratet war, im Dienstgrad über dem Vater stand und am anderen Ende Deutschlands lebte. Familienurlaub? Unbekannt! Den ersten Flug erlebte der Sprössling bei der Luftwaffe. Mit 23 Jahren. 

 

Wie sieht dagegen das Leben des kleinen Torben heute aus? Irgendwie anders, oder? Mutter bringt ihn im SUV zur Schule. Mit seinem Geld kauft er sich die Milchschnitte und die Cola. Mittags verdrückt er seinen BigMac. Wenn er nicht der Sekte der Veganer angehört. Er hat ein eigenes Handy, surft im Internet. In seinem Zimmer steht mindestens ein Fernseher und sein Laptop und/oder die Spielekonsole. Die riesigen Serverparks und die unzähligen Kraftwerke zur Energieversorgung der gewaltigen Netzwerke sieht er nicht. Mindestens einmal im Jahr fliegt die Familie in Urlaub. In der Garage oder vor der Tür stehen zwei Autos. Bald wird er auch eins haben. Fahren darf er ja schon mit 16. Dann kann er auch selbst zu den Demonstrationen fahren, zu denen er sich mit den anderen „Aktivisten“ per WhatsApp oder TikTok verabredet hat. Seine umweltfreundlichen Ideen verbreitet er unterdessen im Internet. Seine Klamotten kauft er bei Kik, Lefties, Mango oder Primark. Schließlich wollen die Kinder in Bangladesch auch etwas zu tun haben. Natürlich kauft er später ein umweltfreundliches Elektroauto, damit die Kinder im Kongo ebenfalls nicht zu kurz kommen. 

 

Gemein? Ungerecht? Doch, ja! Zugegeben! Andererseits könnte man Torben ja mal fragen, ob er sich nach dem Leben des kleinen Harald sehnt. Ohne Handy, Spielkonsole, Fernseher, Sneakers … Ohne Notruftaste, Rettungshubschrauber, und ja, sogar ohne Notarztwagen. 

 

Eine Bitcoin Transaktion verursacht etwa so viel Co2 wie 2.000 km Autofahrt. Insgesamt verursacht das Internet etwa ein Drittel mehr Co2 als ganz Deutschland mit allen Autos, Heizungen, Industrieabgasen usw. zusammen. Laut anderen Statistiken etwa so viel wie der gesamte weltweite Flugverkehr. Um den rasant wachsenden Energiebedarf für KI zu bewältigen planen Konzerne wie Microsoft und Amazon den Bau eigener Atomkraftwerke. Schlimm? Stellt Euch mal vor, all diese Informationen würden traditionell mit Rauchzeichen verbreitet. Da könnte einem glatt die Luft wegbleiben. 

Der kleine Harald dagegen sparte allein dadurch, dass er per Fahrrad zur Schule fuhr, so viel Co2 ein, dass er zum Ausgleich pro Fahrt heute fast 100 E-Mails oder 10 Bilder verschicken könnte. Oder eine Stunde lang einen Film streamen. Seine Beleuchtung hat er auch noch selbst erstrampelt, per Dynamo. Und für die Nutzung des Internets und moderner Medien ist seine Generation doch ohnehin zu blöd …

 

So, jetzt geht es aber mal richtig daran, die Welt zu retten! Immerhin verursacht Deutschland stramme 1,9 Prozent des weltweiten Co2-Ausstoßes und liegt damit auf Platz 7 der größten Dreckschleudern. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt Deutschland dagegen „nur“ auf Platz drei mit über 4,2 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. (Alle Zahlen aus 2003, verschiedene Quellen, Weltbank, int. Währungsfonds usw.)

Noch einmal in „einfacher Sprache“: Dreck 1,9% - Wirtschaft 4,2% - Deutschland pfui?

Seit 1990 hat sich dabei der Co2-Ausstoß im Verhältnis zum BIP bis 2023 um über 60 Prozent weit mehr als halbiert. In Deutschland. Im gleichen Zeitraum sind die Emissionen in den USA weitgehend unverändert geblieben, während China mit rund 380 Prozent Zuwachs und Indien mit rund 330 Prozent ihr Wirtschaftswachstum mit enormer Umweltbelastung erkauft haben.  

 

Weltweit die größten Stinker sind heute China, die USA und Indien, die zusammen mehr als die Hälfte aller Treibhausgase verursachen. Zur Erinnerung: Deutschland liegt bei 1,9 Prozent! Nun versuchen wir unter größten Anstrengungen und Schmerzen diesen Wert mit Gewalt weiter zu senken und riskieren dafür nicht nur Arbeitsplätze, wirtschaftliche Sicherheit und Wohlstand, sondern zerstören all das bereits in beachtlich nachweisbarem Ausmaß. Wer hier auf die öffentliche Ordnung und Gesetze pfeift und sich „klimafreundlich“ auf Straßen und Startbahnen klebt, erinnert irgendwie an einen Feuerwehrmann, der versucht, einen Waldbrand auszupinkeln. Andererseits - in Peking wäre eine solche Aktion wohl extrem gesundheitsschädlich. Aber die chinesische Regierung wäre sicherlich sehr beeindruckt und „aufgerüttelt“.

 

Liebe Generationen der Zukunft - erlaubt dem alten Wolff den folgenden Rat: Setzt Eure Kräfte dort ein, wo sie etwas bewirken. Der Kampf gegen Windmühlenflügel ist ein literarisches Meisterwerk, in dem sich ein älterer Herr bemüht, seine Angebetete zu verteidigen. Seine Wirkung für die Umwelt ist begrenzt. Auch aus dem kleinen Deutschland können wir großen Nutzen für die Umwelt erzeugen. Mit intelligenter Technik und Konzepten, die weltweite Anwendung finden. Weil sie überall wirken und den Leuten Nutzen bringen. Belehrungen schaden nur!