Lieber Herbert, (2)
diese Art des Dialogs hat den Vorteil der Ruhe. So wird schnell klar, dass wir inhaltlich nicht so weit auseinanderliegen. Lediglich bei der Beurteilung und möglichen Reaktionen gibt es einige Unterschiede.
Mein kleines Pamphlet enthält ja nur einen kleinen Teil meiner Biografie, die weitgehend durch Unangepasstheit geprägt ist. Es würde zu weit gehen, das alles anzuführen, aber es gab immer wieder sehr intensive Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit, die mich nicht nur viel Kraft gekostet haben, sondern auch viel Geld. Dabei hat sich auch immer wieder die Illegalität von „hoheitlichen” Maßnahmen erwiesen, die mir Probleme bereitet haben. Bei meiner Charakterisierung hilft vielleicht ein Zitat vom Ende meiner 4-jährigen Dienstzeit bei der Luftwaffe:
Staffelchef: „Herr Wolff, lachen Sie nicht, aber ich muss Sie fragen, ob Sie Ihre Dienstzeit verlängern wollen”
Lt. Wolff: „Herr Hauptmann, ich lache nicht. Nein!”
Seitdem war ich auch deshalb nie mehr angestellt, weil ich nicht damit leben konnte, irgendwelche Schnarchnasen als Vorgesetzte zu haben, nur weil sie älter waren als ich. Ich wurde nie verurteilt, war nie pleite, brauchte nie staatliche Unterstützung, habe nie nennenswert geerbt und existiere trotzdem heute recht komfortabel in einer Umgebung, von der die meisten Leute träumen.
Wie schon zuvor angesprochen, bin ich mit vielen Aktionen, Ereignissen und Entwicklungen in der heutigen Zeit durchaus nicht einverstanden. Ich sehe dahinter aber keinen globalen Plan irgendwelcher Eliten. Zumindest nicht koordiniert. Es liegt in der menschlichen Natur, zum eigenen Vorteil zu streben. Den idealen Menschen, von dem Marx träumte, gibt es nicht. Deshalb ist der Kommunismus gescheitert. Auch, weil er in der realen Ausprägung noch korrupter ist als das kapitalistische System. Hauptprobleme unserer heutigen Gesellschaft sind Opportunismus, Lebensangst und schlichte Dummheit. Nicht im schulischen Sinne, sondern im Sinne vom konsequenten Gebrauch des Verstands. Und natürlich das Rückgrat, auch zu Überzeugungen zu stehen.
Ich bin alles andere als ein Antisemit, aber durchaus der Meinung, dass man auch einem Juden, der sich daneben benimmt, Kontra geben kann. Ich bin für Asyl, habe aber ein Problem mit Leuten, die Hilfe frech einfordern und dann die Probleme des Landes, aus dem sie geflohen sind, in das Gastland mitbringen, oder sogar die Sitten und Gebräuche des Gastlandes verunglimpfen oder aktiv bekämpfen. Ich hatte schon angenehmen Kontakt zu Zigeunern, als sie sich noch selbst so nannten. Zu unseren Freunden gehörten Schwarze, Palestinenser, Juden und Araber. Ich bin sehr sozial eingestellt, aber bevor ich einem 20jährigen gesunden Schnösel ein Bürgergeld gebe, drücke ich ihm einen Besen in die Hand und biete ihm Essen aus der Gulaschkanone und Unterkunft im Matratzenlager an. Dagegen sollte wirklich Bedürftigen aktiv geholfen werden, die Leistungen zu erlangen, die ihnen zustehen. Wenn ein SPD Mensch eine vernünftige Idee hat, stimme ich dem genauso zu, wie einem AFD Menschen. Beide Parteien würde ich aber nicht wählen, weil sie viele Ideen und Leute im Programm haben, die ich alles andere als gut finde. Von den Linken nicht zu reden. Das Problem bei einer Vielzahl dieser „Politiker” ist ja gerade die geistige Unreife und ideologische Verblendung. Unerträglich finde ich auch solche Politiker, die ihre Meinung an der möglichen Wirkung auf Wähler ausrichten. Oder solche, die Ideologie über Vernunft stellen. Ich glaube weniger, dass Korruption das Hauptproblem in der Politik ist, sondern Dummheit oder geradezu kindliche Naivität. Wie sollen diese Leute die Probleme der Gesellschaft lösen, wenn sie nicht einmal selbständig zur Schule finden konnten und selbst weder jemals Probleme hatten, noch gelernt haben, wie man Probleme analysiert und löst? So gesehen, sind die Politiker natürlich ein Spiegelbild ihrer Wähler.
Auch Journalisten sind kaum anders gestrickt. Einerseits äußern sie sich großenteils zu Themen, mit denen sie sich höchstens oberflächlich auskennen. Ständig brauchen sie Stoff und bauschen banalste Ereignisse zu Mordsstories auf. Andererseits werden sie überwiegend über Werbung finanziert und „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!” „Die Medien” gibt es nicht in organisierter Form. Wenn eine „Gleichschaltung” stattzufinden scheint, dann wohl eher aus ökonomischen denn aus ideologischen Gründen. Dass in vielen Zeitungen identische Artikel zu finden sind, liegt nicht daran, dass sie zensiert sind, sondern daran, dass Redaktionen verkleinert, zusammengelegt oder Artikel zugekauft werden. Es gibt immer noch ernstzunehmende Journalisten, die zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden. Eben daran sind sie auch u.a. zu erkennen. Wichtig ist, dass es nicht immer nur die eine Wahrheit gibt, sondern unterschiedliche Aspekte. Auch hier ist es aber so, dass die Mehrzahl der Menschen besser mit Bildern und kurzen Texten klar kommt als mit fundierten Ausarbeitungen, die Konzentration verlangen. Es wäre witzig, in der Tagesschau einmal eine einzige Ausgabe der Süddeutschen Zeitung komplett vorzulesen. Mal sehen, wie lang die Sendung wäre.
Diese vielen Ansatzpunkte nutzen wirklich böswillige Agitatoren aus, die unser Gesellschaftssystem tatsächlich gezielt angreifen, um aus dem so entstehenden Chaos ihre eigenen Ideologien nach vorne zu bringen. Die Stasi hatte eine eigene Abteilung mit bestausgebildeten Leuten, um das westliche System zu sabotieren, wenn, was ja lange absehbar gewesen war, der real existierende Sozialismus scheitert. Diese Leute haben viel Geld und sind bestens vernetzt. Auch mit ihren Kollegen der ehemaligen bzw. lediglich umbenannten Geheimdienste der Sowjetunion. Die haben sich ja mit der Wende nicht einfach in Luft aufgelöst. Einige kochen ihr eigenes Süppchen, andere wollen das Rad der Zeit zurückdrehen, aber es dieses Mal „besser” machen. Selbst die alten Nazis bauen schon lange an ihrer Auferstehung und benutzen die reichlich vorhandenen Dumpfbacken zur Einschüchterung Andersdenkender wie weiland die Schläger von der SA. Das sind aber m.E. konkurrierende Gruppen, die nur solange scheinbar kooperieren, bis unsere Gesellschaft ausreichend destabilisiert ist, um sich dann selbst in Position zu bringen.
Wenn mir solche Typen begegnen, dann sage ich meine Meinung und lasse mich nicht vor den Karren spannen. Ich nehme aber nicht aktiv den Kampf dagegen auf. Ich habe mein Leben lang gekämpft. Jetzt sind andere dran.