Asyl

Gestern, am Samstag, beantragte ich für mein Auto Asyl auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof in Denia. Vorschriftsmäßig leitete ich das Asylverfahren ein, indem ich das Fahrzeug ordentlich auf eine blau umrandete Fläche stellte und mich dann zur Antragsstelle begab. Diese bestand aus einer Säule mit einem Display, Tasten und Schlitzen neben einer spanischsprachigen Erläuterung der Asylregeln. Zuerst musste ich den Asylbewerber identifizieren, indem ich Zahlen und Buchstaben des Nummernschilds eingab. Damit könnte man bei einer Kontrolle die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts überprüfen und verhindern, dass ich mein Bleiberecht durch erneute Einreise verlängere. Dann wurde mein Asylantrag geprüft, nachdem ich den Betrag, der der gewünschten Aufenthaltsdauer entsprach, in einen Schlitz geworfen hatte. Nach erfolgter Prüfung erhielt ich ein Bleiberecht sogar bis Montagmorgen, weil es für das Wochenende eine Duldung gibt. Zum Beweis konnte ich einem der Schlitze ein Dokument entnehmen, das ich sichtbar im Asylanten auslegte. Nun konnte ich beruhigt und in Frieden meine Zeit in Denia verbringen. Natürlich hätte ich mich auch einfach hinstellen und das Asylverfahren ignorieren, oder mich gleich irgendwo ins Halteverbot stellen können. Allerdings hätte ich dann mit sofortiger Absch…leppung des Delinquenten rechnen müssen. Eigentlich ganz einfach, wenn man sich an die Regeln hält. 

 

Dieses Gleichnis ist nur ein Ausschnitt aus einem Verfahren, das wesentlich komplexer ist. Bevor nämlich ein Nummernschild die weiteren Schritte ermöglicht, wird erst einmal die Umweltverträglichkeit und Sicherheit des Asylanten geprüft. Verliert er Öl? Produziert er zu viele Schadstoffe? Funktionieren Bremsen und Lenkung oder ist er eine Gefahr für andere. Daneben werden auch unveränderliche Kennzeichen wie Fahrgestellnummer, Motornummer, Typ, Baujahr und ähnliches (in Spanien in der „ficha tecnica“) festgehalten, um eine Fälschung der Identität zu erschweren. Bevor der Antragsteller sich auch nur einen Meter im Land seiner Träume bewegen darf.  Bei einem Auto ist das selbstverständlich. 

 

Es geht weiter: Wird die Zulassung (In Spanien „permiso de circulación“) abgelehnt, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt sind, bleibt der Aufenthalt auf das eigene Grundstück beschränkt, alternativ auf einen Abstellplatz, der kein öffentlicher Verkehrsraum ist. Von dort aus kann man dann ja versuchen, die fehlenden Voraussetzungen nachzuholen. Die Öffentlichkeit ist jedenfalls so lange vor eventuellen Unzulänglichkeiten geschützt. Klar, all das ist nicht perfekt und wird nicht immer korrekt umgesetzt. Immerhin kann man, wenn das System in sich schlüssig ist, an der Verbesserung der Regeln arbeiten und den Vollzugsbehörden die Werkzeuge zur Durchsetzung in die Hand geben. So wäre zumindest eine gewisse Gewähr für weitgehende Legalität gegeben. Das funktioniert europaweit bei Autos recht gut. Bei Autos.